Zucker-Lobby wiederholt Falschaussagen

Die Lobbyverbände der Zuckerindustrie täuschen die Öffentlichkeit erneut mit falschen Aussagen über Zucker und Übergewicht. Nachdem foodwatch kürzlich die sieben größten „Zucker-Mythen“ der Lebensmittelindustrie aufdeckte, wiederholte die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker ihre Falschaussage über die angeblich gesunkene Kalorienaufnahme der Deutschen.

Die Deutschen würden „heute nicht mehr, sondern eher weniger Kalorien aufnehmen als früher“, erklärte die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) in einer schriftlichen Reaktion auf die sieben größten „Zucker-Mythen“ der Lebensmittelindustrie, die foodwatch Ende August veröffentlichte. Der Spitzen-Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) äußerte sich gleichermaßen, korrigierte seine Aussage jedoch später, nachdem sich das Max-Rubner-Institut in die Diskussion einschaltete. Beide Lobbyverbände beziehen sich auf Zahlen des Max-Rubner-Instituts und der Universität Gießen. Diese Zahlen seien jedoch aus „methodischen Gründen“ gar nicht miteinander vergleichbar, erklärte das Max Rubner-Institut gegenüber foodwatch. „Die Schlussfolgerung (…) kann nicht aus den Ergebnissen gezogen werden“, so das Institut. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker hatte ihre Falschaussage bereits in einem Rundschreiben an Abgeordnete des Deutschen Bundestags geschickt.

Zuckerindustrie: Zucker macht nicht dick

In ihrer Stellungnahme verbreitete die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) weitere Unwahrheiten, die foodwatch zuvor als Mythen entlarvt hatte. So erklärt der Lobbyverband, Zucker sei „kein Dickmacher und deswegen auch kein Risikofaktor für Zivilisationskrankheiten“.

Das widerspricht unter anderem der Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach „eine höhere Aufnahme freier Zucker die Nährstoffqualität“ bedrohe, „was zu einer ungesunden Gewichtszunahme und einem erhöhten Risiko von Adipositas“ und anderen Krankheiten führe. Auch die Aussage der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, eine „Regulierung des Zuckerkonsums“ könne „nicht der richtige Ansatz sein, Karies vorzubeugen“, bezeichnete foodwatch als falsch und verwies auf die Worte von Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer: „Zuckerreduktion bedeutet Kariesreduktion“.

„Die Lebensmittelindustrie lügt wie gedruckt. Mit wiederholten Falschaussagen verschleiert sie die Gefahren von Zucker und blockiert wichtige gesundheitspolitische Initiativen. Die Lobbyverbände sollten bei den Fakten bleiben und ihre Falschaussagen zurücknehmen.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen von foodwatch

foodwatch kritisiert, dass in der Debatte um Übergewicht und Zucker zahlreiche Falschaussagen verbreitet werden. Das trifft sowohl auf führende Vertreter der Lebensmittelwirtschaft als auch auf Spitzenpolitiker wie Bundesernährungsminister Christian Schmidt zu. Dieser behauptete etwa in einer ARD-Talkshow, dass jeder Mensch Zucker brauche. Tatsache ist: Es gibt keinen Bedarf, Zucker als Lebensmittel aufzunehmen. Das menschliche Gehirn benötigt zwar eine bestimmte Menge an Glukose am Tag. Der Körper ist jedoch in der Lage, diese Glukose beispielsweise aus Stärke aufzuspalten, die etwa in Brot und Nudeln enthalten ist.

Fettleibigkeit erhöht Risiko für chronische Krankheiten

Rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland – 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen – ist laut Robert-Koch-Institut fettleibig (BMI ≥ 30). Adipositas bei Kindern sowie Erwachsenen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Das verursacht nicht nur individuelles Leiden der Betroffenen, sondern auch erhebliche gesamtgesellschaftliche Kosten: Allein durch Adipositas entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten. Die WHO und die OECD sprechen von einer „globalen Adipositas-Epidemie“. Ein Zusammenschluss von deutschen Fachgesellschaften warnt vor einem „Tsunami chronischer Krankheiten“, denn Adipositas erhöhe nachweislich das Risiko für die Entstehung von zahlreichen chronischen Krankheiten, darunter Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes sowie diverse Krebsarten.

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Quelle: Foodwatch

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